Der Rest des Tages verlief geschmeidig mit ein paar kleinen Schraubereien, einem Biergartenbesuch und gemütlichen Ausklang in der überaus stilvollen kralschen Gartenlaube. Liebe zum Detail ist vielleicht das, was mir bei Uli und seiner Familie am meisten aufgefallen ist. Das ist nicht plakativ und vordergründig, hat aber meinen Aufenthalt in Dillingen sehr angenehm gemacht. Vielleicht ist es das, was man die "feine englische Art" nennt? Repräsentativ für eines dieser Details zeige ich euch, welche Kopfbedeckung mein Frühstücksei trug:
IMG_5094.jpg
Das Wetter am Sonntagmorgen hatte sich dann offensichtlich über Nacht mit der britischen Mutante infiziert, so dass ich nach dem Frühstück zum ersten Mal auf dieser Reise meine Regensachen überwarf. Und diese natürlich nur für eine Viertelstunde wirklich brauchte, danach wurde und blieb es wieder trocken. Die letzte Station habe ich am Rande des Spessart gemacht, Andreas aus dem Caferösterforum (einigen von euch dort als "Grumbern" bekannt) einen kleinen Besuch abgestattet und ein paar Geschichten zu seinen teilweise extrem faszinierenden Restaurationen / Instandsetzungen gelauscht. Wer schon mal ins CR-Forum schaut, kennt wahrscheinlich seine Royal Enfield Indian Chief und die Geschichte dazu. Ein traumhaft schönes Motorrad. Dass er sich damals eine Strickmaschine gebaut hat, um den Kabelbaum perfekt einzuweben, fand ich vollkommen absurd - macht aber deutlich, wie der Bursche funktioniert.
Da Andreas landschaftlich ebenfalls großartig positioniert ist, sind wir noch eine kleine Runde durch den Spessart gekachelt. Er hat zur 350er Bullet mit vollkommen ungezügelten und rohen 18 PS gegriffen. Ich konnte also problemlos dranbleiben. Zumindest, so lange es bergauf ging...bergab hat er das Ding dermaßen laufen lassen, dass ich voll gefordert war. Das Teil hat ja so einen witzigen Federsattel, der dazu geführt hat, dass ich auf einer Passage fast vor Lachen von der Karre gefallen bin. Wir waren in der Ebene auf einer sich leicht windenden Buckelpiste unterwegs. Andreas fuhr natürlich vollkommen unbeeindruck von der Mondlandschaft Anschlag. Jedesmal, wenn das Enfield-Fahrwerk ein Schlagloch oder eine Welle wegbügelte, ging natürlich dieser Impuls auch in den Piloten. War das Fahrwerk zur Ruhe gekommen, traf dieses aber nicht auf Andreas zu, weil er wegen des Federsattels noch einmal nachwippte. Kaum hatte der Federsattel sich beruhigt, kam die nächste Bodenwelle...und Andreas damit quasi nicht zur Ruhe. Das Ganze hatte etwas von einem Armaturenbrett-Elvis oder Hutablagen-Wackeldackel - ich habe laut in meinen Helm gelacht beim Hinterherfahren.
Wir haben dann noch die Mopeds getauscht. Ein lustiges Krad, die Bullet - superhandlich und agil. Laut Andreas passen in den Bullet-Rahmen sämtliche RE-Motoren, so dass man da theoretisch auch den 700er reinhängen könnte. Dann würde der Stuhl auch bergauf richtig Freude machen.
P1050079.jpg
Im vor Ort gebuchten Hotel konnte ich die Nordhorn unter der Hotelterasse abstellen. Da dort ein paar uralte Kinderspielgeräte vor sich hinrotteten, fand ich das sehr passend. Die Brocken passen irgendwie zusammen...:
IMG_5096.jpg
Montag früh ging's dann auf die Zielgerade. Ungefähr 260 Kilometer lagen noch vor mir - Kindergeburtstag. Extrem angenehm war, dass es über Nacht wieder brutal gekübelt hatte und die Temperatur um 10 Grad gefallen war. Jetzt war es auch temperaturtechnisch perfekt, so dass sogar die verkackte Handy wieder dauerhaft funktionierte. Nur, dass ich es jetzt nicht mehr brauchte, weil ich mich wieder bekannten Gefilden näherte...war klar.
Nach energischem Durchpfeifen des legendären Schladernrings (B256) - darf man ja auch nur noch unter der Woche - war 20 Kilometer vor meinem Zuhause die Zeit für ein Abschlussfoto gekommen.
P1050089.JPG
Das war's. 1440 überaus kurzweilige Kilometer, nette Menschen kennengelernt, tolle Strecken befahren, das von Dieter revidierte Aggregat läuft wie Sahne, zieht wie ein Stier und braucht keinen Tropfen Öl. Meine Frisur hat ebenfalls gehalten, so dass ich eigentlich nur noch die Maggi-Fix-Werbung zitieren kann:
Toll. Das machen wir mal wieder.
Habe die Ehre,
Markus