Wie man weiß, steht das Markenzeichen „Fairtrade“ für Geschäfte, bei denen etwas vereinfacht gesagt keiner beschissen wird und die ganze Transaktion ökologisch und ökonomisch attraktiv und nachhaltig ist.
Jetzt kann man ja tagelang darüber referieren, wie viel Sinn es macht, ein Fahrzeug, in dem viel Herzblut und Emotion steckt, zu verkaufen. Manchmal ist das Leben aber etwas komplexer, als dass es sich nur auf Besitz und Wünsche reduzieren ließe – deswegen: Ja, es hat mir nicht leichtgefallen. Aber: Es ist o.k. so.
Als ich meiner jüngsten Tochter vor einer Woche gebeichtet habe, dass die Commando gehen wird, hatte Sie tatsächlich Tränen in den Augen. Das hat natürlich geschmerzt, deswegen habe ich sie am Freitag mit dem Stuhl von der Schule abgeholt. Punktlandung – ihre ganze Klasse stand an der Bushaltestelle und hat das mitbekommen, selbstverständlich habe ich mir nicht nehmen lassen, die Abfahrt mit dem größtmöglichen Radau über die Bühne zu peashootern
Am Samstag war es dann soweit. Bernd, der sich in unserem Verkaufsgespräch schon innerhalb kürzester Zeit in mein Herz telefoniert hatte, war den weiten Weg vom anderen Ende des Landes angereist und ließ sich nicht durch die bei der Probefahrt aufgetretenen Pannen (Tank leer, rechte Fußraste hatte sich gelöst und verdreht) davon abhalten, seine Kaufabsicht in die Tat umzusetzen. Und damit komme ich zum Beitragstitel:
Dieses Motorrad konnte ich mir vor viereinhalb Jahren nur leisten, weil der Verkäufer mir einen überaus fairen und angemessenen Preis gemacht hat. Die ersten Reparaturen konnte ich nur durchführen, weil mir dabei so großartige Menschen wie Andreas, Phil und Bos’n geholfen haben und zum Verrecken nichts für ihre Mühen haben wollten. Die Komplettrevision von Doktor Cordes war zwar absolut gesehen viel Geld, aber eigentlich ein Witz, wenn man mal sieht, welchen Anteil Dieters Arbeitslohn daran hat.
Das heißt, den Traum der eigenen Commando konnte ich mir nur erfüllen, weil andere daran großartig mitgewirkt haben – deswegen hatte ich mich auch dazu entschlossen, beim Verkauf nicht zum Kapitalisten zu werden, sondern das Motorrad zu einem Kurs zu veräußern, an dem der Käufer richtig Spaß hat und ich meiner familiären Verantwortung gerecht werde, nicht übermäßig viel Geld fürs Hobby zu verbrennen. Fairtrade halt. Ich hatte das Gefühl, dass Bernd das auch so gesehen hat.
Und damit kommen wir zum schönen Teil der Geschichte:
- Der graue Renner bleibt dem Forum erhalten
- Er wird in Zukunft, was die Mechanikerkompetenz angeht, von deutlich qualifizierten Händen als meinen beschraubt und gewartet werden
- Er wird bestimmungsgemäß eingesetzt (Bernd hat mir verraten, dass er von einem Familienmitglied das Prädikat „du fährst wie eine Sau“ verliehen bekommen hat. Das gefällt mir…)
- Es gibt gar nicht mehr so viele Commandos. Da die Hauptaufgabe dieses Fahrzeugs darin besteht, Menschen glücklich zu machen, muss man sie halt von Zeit zu Zeit weitergeben, damit auch andere etwas davon haben.
- Bernd mag sie genau so, wie ich sie für mich individualisiert habe und wird sie unverändert so fahren. Das freut mich besonders.
Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, das Fairtrade-Logo zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit einem Fahrzeug zu verleihen:
Bevor es Missverständnisse gibt oder erste Freude bei euch aufkeimt: Mich seid ihr noch nicht los. Es wird mittelfristig wieder irgendeine britische Krankheit in meiner Garage stehen. Kommt Zeit, kommt Krad.
Habe die Ehre,
Markus
