Seite 1 von 2
Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Montag 7. Oktober 2013, 11:59
von 650ss
Hallo
Ich habe eine Anfängerfrage.
Bei meiner 650SS bin ich nun soweit, dass ich den Ölkreislauf fertig habe, ich habe auch einen externen Ölfilter montiert.
Ich möchte nun provisorisch den Kreislauf überprüfen, ohne schon den Motor zu starten.
Ist es möglich nur mit dem Treten des Kickstarters den Kreislauf zu überprüfen? Ich möchte schauen ob das Öl in den Tank zurückgefördert wird.
Ich weiss nicht, ob die Umdrehungszahl durch das Treten des Kickstarters ausreicht, um genug Druck aufzubauen.
Hat hier jemand Erfahrungen?
Ich bin mir bewusst, dass dies eine komische Frage ist, es würde mich aber ungemein beruhigen, wenn ich vor dem Starten des Motors wüsste, dass der Ölkreislauf prinzipiell funktioniert.
Bis mein Motorrad fertig ist , muss ich euch leider mit vielen Fragen nerven, sobald das Motorrad fertig ist, kann ich vielleicht den Andern auch mit Antworten und Erfahrungen behilflich sein.
Gruss Thomas
Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Montag 7. Oktober 2013, 12:26
von Tim
650ss hat geschrieben:Ist es möglich nur mit dem Treten des Kickstarters den Kreislauf zu überprüfen? Ich möchte schauen ob das Öl in den Tank zurückgefördert wird.
Wenn im Kurbelgehäuse relativ viel Öl steht - Stichwort wet sumping - dann geht das, zumindest habe ich das bei der Atlas einmal beobachten können, die hat allerdings die schnelle Pumpe bzw. das schnelle Schneckenrad drin. Wenn Du nur das Montageöl im Motor hast und den Tank frisch befüllst, wirst Du ziemlich lange kicken müssen.
Tim
Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Montag 7. Oktober 2013, 12:30
von Fast Franz
Ich weiß nicht ob die Ölpumpe bei dir die gleiche ist wie bei meiner Commando mit Ölfilterpatrone, aber ich hab damals ca. 250 mal getreten bis wieder Öl aus dem Motor kam. Ich hab auch schon mal von Haudegen gehört die Kerzen raus und mittels langsam laufender Bohrmaschiene (Laufrichtung!!) die Rotormutter angetrieben haben. Aber da ich ohnehin sonst Joggen gehe wars mir eben egal.
Gruß
Franz
Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Montag 7. Oktober 2013, 12:52
von jan
Fast Franz hat geschrieben:Ich hab auch schon mal von Haudegen gehört die Kerzen raus und mittels langsam laufender Bohrmaschiene (Laufrichtung!!) die Rotormutter angetrieben haben.
Yep, so habe ich nach der letzten Revision einen Matchless-Twin wieder "aufgepumpt". Da hat die 700W-Bohrmaschine allerdings schwer gekeucht...
Gestern haben wir einen AJS-350er-Single mit dem Kickstarter durchgepumpt, da haben wir uns halt zu dritt abgewechselt (und bestimmt auch 150, 200 Hübe absolviert). Der Motor sprang dann nach über 30 Jahren Stillstand auf den 2. Tritt an, bis aber oben im Kopf und im Öltank-Rücklauf die volle Ölversorgung anlag, hat es noch einige Sekunden gedauert. War aber unkritisch.
Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Montag 7. Oktober 2013, 13:13
von Towner
Hallo,
wenn ein neuer Ölfilter drin ist und das Kurbelgehäuse leer, dann können es auch ein paar mehr Runden ums Haus werden. Läuft der Motor im Standgas, kann das auch mal eine gefühlte Minute dauern.
Ralf
Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Montag 7. Oktober 2013, 16:14
von Klaus Thoms
Ich halte das grundsätzlich für eine schräge sch.... Idee , den Motor "trocken" ewig durch zu drehen , da ist Null Öldruck da , anspringen lassen und in Secunden ist das Öl da , was soll das denn überhaupt

Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Montag 7. Oktober 2013, 17:22
von jan
Klaus Thoms hat geschrieben:Ich halte das grundsätzlich für eine schräge sch.... Idee , den Motor "trocken" ewig durch zu drehen , da ist Null Öldruck da , anspringen lassen und in Secunden ist das Öl da , was soll das denn überhaupt

Na ja, beim Durchpumpen ohne Drehzahl und Verbrennung entsteht ungleich weniger Reibung, Hitze, Druck, Verschleiß... Ein ordentlich montierter Motor hat ja hoffentlich beim Zusammenbau schon überall hin einen Spritzer Öl aus dem Kännchen erhalten: zwischen Kolben und Zylinder, an sämtliche Lagerstellen (KW, Pleuel, Nockenwelle), oben in den Zylinderkopf etc. pp. Das Durchdrehen von Hand (oder Bohrmaschine) macht dem gar nix.
Und dann dreht man ihn halt langsam und vor allem KALT durch. Beim ersten "richtigen" Start mit Zündung hat man dann die Gewissheit, dass überall sofort Schmierfilm und Öldruck in ausreichendem Maße vorhanden sind. Denn dann fangen die o.g. mechanischen und thermodynamischen Kräfte ohne Gnade an, auf die Hardware einzuwirken. Und wehe, da läuft dann noch Metall auf Metall...
Trocken aufpumpen? - Besser ist das!!
Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Montag 7. Oktober 2013, 20:29
von Norton
Entlüfte die Zuleitung zwischen Öltank und Motor. Nimm den Steuergehäusedeckel ab, die Kerzen raus und solltest Du die Lagerschalen der Pleuel nicht mit reichlich Öl zusammengebaut haben (ich bau das immer mit MoS2-Paste zusammen) spritze mit einer Spritze etwas Öl in die Kurbelwelle, am besten bei UT. Nimm einen passenden Schraubenschlüssel für die Kurbelwelle und drehe so lange, bis Öl aus der Ölpumpe kommt. Dann bau den Steuergehäusedeckel wieder drauf. Nimm einen Ventildeckel ab und kippe einen guten halben Liter Motorenöl über den Kopf in den Motor (mit Geduld, dauert jedes mal eine Weile, bis das Öl nach unten gesackt ist). Die Kurbelwelle soll ruhig ein Stück im Öl stehen (ein knapper halber Liter Öl im Gehäuse ist auch Normalzustand). Mit ca zur Hälfte befülltem Öltank den Motor anlassen. Die Kurbelwelle schmeist dann die Kolben von unten und die Nockenwelle schön mit Öl voll. Die kräftige Ölpumpe der Norton baut dann innerhalb einiger Sekunden Ölförderung und Öldruck auf. Alles kein Problem. Und die ersten paar Minuten ruhig mit ca 3000 Umin laufen lassen, ist besser für die Nocke.
Wenn dann nach dieser Prozedur der Motor mal wieder steht, wirst Du sehen wieviel Öl im Motor versackt ist, bzw wieviel er wieder hoch gepumpt hat.
Ich würde prinzipiell auch ein Manometer in den Ölkreislauf schalten, um zu sehen, ob Öldruck ansteht und ob das Überdruckventil auch richtig aufmacht. Zu wenig Öldruck ist nichts und zu viel auch nicht! Mehr als höchstens vier Bar sind gefährlich für den Wellendichtring im Steuergehäusedeckel. Da stülpt es dann irgendwann die Dichtlippe mit durch, dann wars das mit dem Öldruck.
So hab ich schon mehrere Male frisch gemachte, oder neu eingebaute Motoren zum laufen gebracht.
Gruß. Martin.
Und vergiß den Quatsch mit dem Einbereichsöl.
In meinen Domi hab ich nach der Überholung 10W40 reingekippt. Läuft bestens damit.
Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Montag 7. Oktober 2013, 21:20
von Phil
Klaus Thoms hat geschrieben:Ich halte das grundsätzlich für eine schräge sch.... Idee , den Motor "trocken" ewig durch zu drehen , da ist Null Öldruck da , anspringen lassen und in Sekunden ist das Öl da , was soll das denn überhaupt

Tapfer Öl rein in den Sumpf, am besten über die Stößelrohre oder -tunnel kurz vor dem Anstarten, Ölzuleitung befüllen und entlüften, Ölfilter vorher befüllen, und antreten. Nach dem Antreten gerne auch etwas Drehzahl,
nicht tuckern lassen. Aber letzteres hat der Jehova-Marteng ja auch schon gesagt.
Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht. Mit dem Getrete kriegste ja 'nen Wolf oder eben ein lahmes Knie. Wenn treten, dann OPRV raus und ohne Stößelstangen, damit die Stößel nicht auf den ollen Nocken rumreiben. Es macht ja echt gar keinen Sinn, meine Wunder-cam lube-Pampe wieder von den Nocken runterzureiben. Deshalb präferiert der Unterzeichner die zuerst beschriebene Variante.
Beste Grüße
Ph.
Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Montag 7. Oktober 2013, 22:23
von Klaus Thoms
Ich habe keinen Kickstarter , und so ein Schwermetall über den Hof schieben geht auch nicht , was mach ich denn nun ?
Mit dem Startermotor durchorgeln , ist das nicht schon zu schnell ?
Ich muss wohl ein neues kaufen , hoffentlich hat das nicht schon zu lange gestanden , das gibt ja echt einen Motorschaden.....
Ich muss wohl eine handbetriebene Fasspumpe einbauen

Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Montag 7. Oktober 2013, 22:29
von Martin
Ich fürchte Du wirst Dir eine RT175 kaufen müssen... Tut mir leid...

Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Dienstag 8. Oktober 2013, 00:43
von jan
Die Diskussion ist jetzt ungefähr am selben Punkt angelangt wie das beinahe noch ebenso jungfräuliche Thema "Unlegiertes Einbereichsöl vs. vollsynthetisches Mehrbereichsöl"

Re: AW: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Dienstag 8. Oktober 2013, 18:00
von Moppedmessi
jan hat geschrieben:Die Diskussion ist jetzt ungefähr am selben Punkt angelangt wie das beinahe noch ebenso jungfräuliche Thema "Unlegiertes Einbereichsöl vs. vollsynthetisches Mehrbereichsöl"

Hmmmm, und wenn ich nun unlegiertes Öl durch kicken pumpe und mehrbereichsöl durch schieben.......

Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Dienstag 8. Oktober 2013, 21:49
von 650ss
Hallo
Vielen Dank für eure Meinungen, eine solches Interesse an diesem Thema hätte ich nicht erwartet.
Ich werde das Vorgehen etwa wie Martin (Norton) wählen.
Beim Zusammenbau habe ich natürlich immer alles schön eingeölt (zum Teil mit Cam Lube), auch zwischendurch habe ich immer etwas Öl in die Kipphebelgehäuse gespritzt. An mangelnder Erstschmierung sollte es also nicht liegen.
Als Motorenöl habe ich als Schweizer, ein einheimisches Öl gewählt, Motorex Legend 4T 20W50 mineralisch gewählt. Produktion ca. 20 km von meinem Wohnort entfernt.
Ich möchte aber auf gar keinen Fall die Ölfrage aufwerfen und diskutieren.
Wo messe ich am besten den Öldruck? Beim Öldruckventil oder beim Verschluss neben dem Öldruckventil?
Gruss Thomas
Re: Öl pumpen mit Kikstarter
Verfasst: Dienstag 8. Oktober 2013, 22:03
von Norton
Öldruck müsste sich an der Schraube neben dem Überdruckventil gut abnehmen lassen. Bei den späteren Modellen ist hier der Ausgang für die Steigleitung zum Kopf.
Wenn ich das richtig sehe, geht die Ölversorgung zum Kopf bei deinem Motorrad von der Rückförderleitung weg. Schau noch mal nach, ob in der Rückförderleitung NACH dem Ringösenanschluß der Steigleitung in irgendeiner Weise eine Verengung im Querschnitt der Leitung ist (quasi im Öltank). Eine Büchse oder sowas. Sonst hast Du u. U. zuwenig Öl im Kopf, weil sich das Öl den Weg des geringeren Widerstandes sucht, nämlich direkt in den Öltank. Bei meinem Domi hab ich da eine Büchse rein machen müssen, mit 3,5mm Durchmesser (trotz schneller Ölpumpe). Im Kopf kam nämlich fast kein Öl an. Der Istvan hat sogar eine Büchse mit 2,8mm drin, der hat aber auch die langsame Ölpumpe.
Viel Erfolg.
Gruß. Martin.