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Zylinder brauchbar?

Verfasst: Sonntag 10. Februar 2013, 19:00
von 650ss
Hallo
Ich habe bei meinen Teilen noch einen Zylinder gefunden. Dieser müsste von einer 650SS oder 99SS stammen.
Beim Zylinder sind Teile vom Steg beim Zylinderfuss abgebrochen.
Ist dieser Zylinder noch verwendbar? Bilder habe ich angefühgt.
Wenn ja möchte ich diesen Zylinder als Ersatzzylinder aufarbeiten .
Vielen Dank für eure Meinungen.

Gruss
Thomas
FZylinderfuss 1.jpg
Zylinderfuss 2.jpg
Zylinderfuss 3.jpg
Bezeichnung.jpg

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Sonntag 10. Februar 2013, 20:07
von Norton
Hallo Thomas.
Für 99 und 650er muß man an Zylinder aufheben und wieder aufarbeiten, was man hat, weil es keine Neuen und nur ganz schlecht gebrauchte gibt. Anfangs stellt sich erst mal die Frage, welches Maß der Block noch hat, kann man noch mal schleifen? Größtes kaufbares Übermaß ist soweit ich weiß 69,5 mm.
Von meinem Domi99 war auch vom rechten Zylinder durch den Pleuelriß das Hemd vorne und hinten weggeschlagen. Weil aber der ganze Block sonst noch recht schön war (alle Rippen dran, Stößentunnel i. O., erst ein Übermaß geschliffen), Ersatzzylinder schlecht zu kriegen sind, hab ich nach einer Möglichkeit gesucht, ihn zu reparieren. In Nürnberg gibt es die Schweißerei Michl, der alte "Opa" dort, weiß noch wie man sowas wieder hinkriegt. Es gibt Grauguß als Stangenware/Schweißzusatz, der Zylinder geht erst mal in den Glühofen (besser vorher strahlen), wird aufgeschweißt (die fehlenden Ecken braucht er nicht) und geht wieder in den Glühofen zum abkühlen. Etwas "unförmig" hab ich den dann wieder zurückgekriegt, aber es war genug Aufmaß drauf, um das Hemd wieder zurecht zu arbeiten. Den Zylinder hab ich dann noch mal strahlen lassen, neu lackiert und dann auf das nächste Übermaß schleifen lassen. War auch nicht teuer.
Ein andere Möglichkeit wäre den Zylinder büchsen zu lassen. Wobei die Büchse dann sehr dünnwandig ist, ca 2 mm, und an der Unterseite mangels den fehlenden Ecken im Freien steht und auch nur einmal schleifbar wäre. Wichtig: Büchse muß oben einen Bund haben, damit sie nicht durch den Druck des Zylinderkopfes nach unten wandern kann.

www.westwoodcylinderliners.co.uk

RGM bietet die Büchsen zwar an, hat aber keine vorrätig, muss sie auch erst beschaffen. Mir konnte bisher auch noch niemand ein Überdeckungsmass nennen.

Gruß. Martin.

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Sonntag 10. Februar 2013, 20:29
von Norton Motors
Rudi Kolano hat das oft gemacht, als es keine 750er und 850er Zylinder für Commandos gab, und macht es heutzutage noch bei den "kleinen" Dommis, für dies keine Zylinder gibt. Dem würde ich den Zylinder geben.

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Sonntag 10. Februar 2013, 20:43
von Martin
Norton Motors hat geschrieben:Rudi Kolano hat das oft gemacht, als es keine 750er und 850er Zylinder für Commandos gab, und macht es heutzutage noch bei den "kleinen" Dommis, für dies keine Zylinder gibt. Dem würde ich den Zylinder geben.
Was hat er gemacht?
Die Zylinder kaputt geschlagen? :twisted:

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Montag 11. Februar 2013, 08:22
von 650ss
Nach meiner Schnellmessung nur an eine Stelle, hat der Zylinder noch kein Übermass. Ich habe 68.2mm gemessen.
Wie viel kostet nach eurer Erfahrung das Instandstellen der Hemden in etwa. Ich muss mir natürlich überlegen ob ich diesen Ersatzzylinder schon instandstellen will.

Gruss Thomas

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Montag 11. Februar 2013, 09:36
von Tim
650ss hat geschrieben:Ich muss mir natürlich überlegen ob ich diesen Ersatzzylinder schon instandstellen will.
Ich würde alles soweit fertig machen bis auf das letzte Aufbohren und Honen und das Ding dann mit einem Korrosionsschutzöl einlagern. Das ist in allererster Linie arbeitsintensiv, und "Arbeit" wird IMHO eher nicht billiger.


Tim

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Montag 11. Februar 2013, 10:27
von Norton
Bei der Schweisserei Michel wollten sie für die beiden Ecken aufschweissen 50 eur!!!
Ich denke, daß war aber auch ein echter Freundschaftspreis, weil es eine alte Norton war und der Seniorchef halt noch weiß, was das ist.
Ich hab dann noch mal 10 eur für die Kaffekasse springen lassen, wofür man sich dann noch bei mir bedankt hat.

http://www.schweisserei-michel.de/

Wichtig dabei ist der Glühofen. Vor 15 Jahren, als 750er Zylinder rar waren, haben wir das bei einem Freund schon mal mit einem 750er gemacht. Wir hatten aber keinen Glühofen, aber auch damals schon den richtigen Zusatzwerkstoff. Wir haben den Zylinder mit einem Gasbrenner heiß gemacht, geschweißt, noch mal gewärmt und dann in eine Asbestdecke eingewickelt langsam erkalten lassen. Das aufgeschweißte Matererial war dann schön weich, aber der Übergang zum eigentlichen Gußkörper wurde hart. Den Zylinder hab ich dann in einer Härterei noch mal glühen lassen, dann ging das grade so. Fährt aber auch heute noch damit rum. Bei dem Domi99 Zylinder ist da gar nichts passiert. Das aufgeschweißte Material sieht genauso poorig aus wie der Guß, hat sich problemlos bearbeiten lassen. Hab halt das überstehende Material in der Bohrung auf der Drehbank mit etwas Übermass abgedreht und die beiden Aussparungen für die Pleuel nachgefeilt und so den Zylinder dann zu schleifen gegeben. Am Übergang war dann ein kleiner Lunker, sonst sieht man das fast gar nicht. So weit unten laufen eh keine Kolbenringe mehr, also eh unkritisch. Diesen Sommer wird der Motor laufen.

Ich würde es mit dem aufschweißen probieren, büchsen kann man dann immer noch. Beim büchsen bleibt halt nur das Material zwischen den Kühlrippen stehen, erst die 850er hatten durchgehende Zuganker. Mit dem Rudi Kolano hab ich über die büchserei mal telefoniert. Er hat dann auch durchblicken lassen, daß er das nur noch bei Leuten machen würde, von denen er weiß, daß sie nicht so heftig am Kabel ziehen (also nicht so Leute wie mich!).


Gruß. Martin.

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Montag 11. Februar 2013, 10:44
von bosn
Also das Schweißen geht schon-mit der richtigen Behandlung und dem richtigen Zusatzwerkstoff.

Die Elektroden dafür sind auch nicht billig.

Also-Zeit und Fachkenntniss sind vorrausgesetzt.

Schweißen könnte ich.

Was mir dann evtl. mehr Sorgen macht :

Das Feinstbohren/honen muss dann zumindist so geschehen-das die Bohrung nicht wegläüft.

Also-gute Maschine und einer der Sie bedienen kann.

Sind die denn so selten (die Zylinder ?) ?

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Montag 11. Februar 2013, 10:52
von Norton
Wenn die Wärmerei und die Schweisserei stimmt, also nichts aufhärtet, dann ist auch das Bohren und Honen nicht das Problem.
Da hätte ich wiederum einen, der das wirklich zuverlässig macht.

600/650er Zylinder sind mittlerweile richtig rar, schwer zu bekommen, ausgeschliffen, Rippen abgeschlagen und für den Schrott muss man dann auch immer noch richtig Geld auf den Tisch legen.

750er Zylinder passen vom Bohrbild her nicht, am Fuß könnte man das noch hinbekommen, aber nicht am Kopf.


Gruß. Martin.

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Freitag 15. Februar 2013, 21:28
von Norton
Ich habe diese Tage meine ganzen Fotos auf dem Rechner mal geordnet und noch diese drei Bilder gefunden. Sind mit dem Handy aufgenommen, also nicht gerade Spitzenqualität. Zeigt den Zylinder nach dem Schweissen beim groben nacharbeiten der aufgeschweissten Ecken.

Gruß. Martin.

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Montag 18. Februar 2013, 08:26
von 650ss
Hallo

Ich hatte Kontakt mit verschiedenen Forumsteilnehmern. Bos'n hat mir sogar angeboten den Zylinder zu schweissen.
Beim näheren betrachten und ausmessen des Zylinders, kommt mir aber der Vedacht auf, dass mein Ersatzzylinder doch schrottreiff sein könnte.
Das Hemd beim Zylinderfuss hat eine sehr unterschiedliche Wandstärke von 2-5mm (Bilder sind unten angefügt). Für mich sind diese Unterschiede in der Wandstärke nicht normal. Bei einem Zylinder aus dem Internet sind solche Unterschiede jedenfalls nicht zu erkennen.
Die Bohrung vom Zylinder ist auch nicht so toll wie geschrieben. Auf der Kopfseite ist sie 68.3 Auf der Fussseite 69 mm.
Ich vermute nach diesem Befund würde nur noch ein ausbüchsen in Frage kommen.
Kann mir vielleicht jemand sagen, mit was für Kosten, dass ich mit dem Ausbüchsen rechnen muss.

Was mit meinem Zylinder geschen ist und was für eine Geschichte er hinter sich hat, kann ich nicht beantworten, er ist 40 Jahre lang auf dem Dachboden meines Vaters gelegen.

Gruss Thomas
Zylinder 1.JPG
Zylinder 2.JPG
Zylinder 3.JPG
Zylinder 4.JPG
Zylinder Norton Owners Club.jpg

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Montag 18. Februar 2013, 22:14
von Norton
Diese ungleiche Dickenverteilung am Hemd hat mein Zylinder auch, haben sie alle, vielleicht nicht ganz so extrem. Ein guter Zylinderschleifer kann das beim Bohren aber auch ein Stück versetzen, dann wird die dünne Seite nicht noch viel dünner.
Was mich jetzt aber doch zweifeln läßt, ist das Bohrungsmass, 69,5mm sind die größten erhältlichen Kolben.

Gruß. Martin.

Trotzdem, aufheben, bloß nicht wegschmeißen.

Re: Zylinder brauchbar?

Verfasst: Dienstag 19. Februar 2013, 10:25
von 650ss
Hallo

Vielen Dank für eure Hilfe.
Das Reparieren des Zylinders werde ich vorerst sein lassen. Ich werde den Zylinder mit Korrosionsschutzöl behandeln und auf die Seite legen.
Diesen Zylinder werde ich erst wieder reaktivieren, wenn mein jetziger Zylinder mit dem Übermass +40 den Geist aufgiebt.
Gruss Thomas