Betriebsblind (oder betriebsblöd?!)
Verfasst: Donnerstag 2. August 2012, 14:17
Ich hab´ die Story schon im "befreundeten Jampot-Forum" gepostet, aber nach entsprechenden Andeutungen in einem meiner Triumph-Tiger-Threads muss ich meine Schmach wohl auch hier eingestehen.
Hallo zusammen,
eine meiner großen Schwächen beim Schrauben ist es wohl, dass ich vorgefundene Sachen erst einmal als gegeben hinnehme. Bei meiner Matchless G 12 CSR, die zwar inzwischen ge-TÜV-t und zugelassen ist, aber noch immer nicht richtig läuft, hat sich das leider wieder bewahrheitet.
Sie hat ja beim Fahren nie richtig Gas angenommen, hat gespotzt und geknallt und ist nie wesentlich über 80 km/h hinausgekommen. Na gut, dachte ich, der Zündmagnet ist wohl hinüber und es fehlt an Feinabstimmung. Zuletzt hatte ich sie auf der Bühne, habe den Magneten getauscht und wurde mit einem recht guten Startverhalten sowie ganz stabilen Leerlauf belohnt. Der erneute Fahrversuch fehlte aber noch, da mir ja zwischenzeitlich eine Triumph Tiger 650 von 1972 zugelaufen ist, die ich für einen Freund wieder zum Laufen bringe und der ich den Platz auf der Bühne freigeräumt habe.
Die Vergaserprobleme der Tiger sind es auch, die mich zur reumütigen Einsicht gebracht haben, dass man sich einfach ALLES anschauen muss, wenn man einem Motorrad nicht traut. Der Concentric der Tiger, insbesondere das Zwei-Kanal-System von Luft- und Spritzufuhr im Leerlauf, hat mich AMAL-Grundlagenforschung betreiben lassen - warum habe ich Idiot das eigentlich bisher nie in letzter Konsequenz betrieben? (Wahrscheinlich, weil meine beiden bisherigen Matchies mit ihren Vergasern problemlos laufen und immer gut einzustellen waren.)
Nachdem ich also am Concentric-Vergaser der Triumph endlich beide LL-Kanäle gesäubert und durchlässig gemacht hatte, sprang das Motorrad auf Anhieb ohne Choke an (erstmalig!) und ließ sich auf einen stabilen Leerlauf bei knapp unter 1.000/min einregulieren. Das erinnerte mich wiederum daran, dass meine G 12 CSR für mich die erste Engländerin war, die den Choke zum Starten brauchte und nur sehr unwillig im Leerlauf "am Leben blieb".
Kurzum, in der Hochstimmung des Schrauberabends habe ich der G 12 CSR kurzentschlossen den AMAL Monobloc heruntergerissen und zerlegt, um - wie bei der Triumph - über verstopfte Leerlaufdüsen u.ä. den Startschwierigkeiten auf den Grund zu gehen. Und wie bei der Triumph habe ich mich erstmalig bewusst mit Nadelgrößen (Pilot Jet, Needle Jet, Main Jet) befasst. Okay, Pilot Jet Größe 30 - sollte passen. Needle Jet Größe 106, geht ebenfalls i.O. Main Jet... Main Jet... ? Main Jet??!!! Bis ich feststellte, dass in dem komischen Düsenstock des Monobloc, der nach unten hin noch mit so einer Art "aufgeschraubtem Eimer" verschlossen ist, überhaupt keine Hauptdüse drin war... Und ich merke das erst, nachdem das Motorrad schon seit fast einem dreiviertel Jahr bei mir steht...
Ich weiß, es ist peinlich und beschämend. Aber, siehe oben: Ich hatte bisher einfach keine Veranlassung gesehen, da mal hineinzuschauen, und war, wegen diverser Magnet- und Undichtigkeitsprobleme, immer nur kurze Stücke auf der Straße "probegerollt". Bis die (markenfremde) Gastlady auf der Hebebühne mich mit der Nase auf das Vergaserthema gestoßen hat. Die Moral von der Geschichte? Schau überall hinein, nimm alles auseinander, glaube keiner Beteuerung vom Kaliber "Alles ist restauriert/komplett überholt". Das bewahrt einen auch vor eigener Betriebsblindheit/-blödheit.
Im Neill (Schrauber-Bibel für AMC-Eigner) habe ich dann gleich mal die gängigen Größen für die Hauptdüse eruiert und bin für die G 12 CSR bei 450 gelandet!! Das erscheint mir sehr groß, andererseits bestätigen es alle anderen Quellen auch (z.B. Roy Bacons Restoration Guide). Hat jemand von Euch hierzu Erkenntnisse? Es handelt sich beim Vergaser um einen 389er Monobloc, der auf dem zylinderkopfseitigen Flansch die Stempelung "389/83" trägt. Danke für alle weitergehenden Informationen!
Ich habe nun bei http://www.amalcarb.co.uk einen kompletten Monobloc-Repair kit und diverse andere Kleinartikel (u.a. noch zwei Hauptdüsen, je einmal eine 400er und eine 420er) bestellt. Mal sehen, wann´s weitergehen kann... Und was dabei herauskommt...
Danke vorab, und viele Grüße - Jan
Ergänzung:
Was ich zwischenzeitlich noch (heraus-)gefunden habe, ist das Datum 9-63 auf der Unterseite des Zylinderkopf-Flansches. Ganz offensichtlich bezeichnet diese Prägung das Produktionsdatum September 1963, und ebenso offensichtlich, dass der Vergaser ursprünglich nicht zu diesem Motorrad gehört hat (denn das stammt ja aus dem Jahr 1961). Die beigefügte Liste habe ich durch Googlen gefunden, danach gehört ein Vergasertyp 389/83 zu einer 350er BSA Einzylinder (!!). Macht aber wohl nix - Hauptsache, ich habe einen 1-1/8" Lufttrichter und bedüse korrekt. (In diesem Fall: 450er Hauptdüse, da ich ja "offen"/ohne Luftfilter fahre.)
Hallo zusammen,
eine meiner großen Schwächen beim Schrauben ist es wohl, dass ich vorgefundene Sachen erst einmal als gegeben hinnehme. Bei meiner Matchless G 12 CSR, die zwar inzwischen ge-TÜV-t und zugelassen ist, aber noch immer nicht richtig läuft, hat sich das leider wieder bewahrheitet.
Sie hat ja beim Fahren nie richtig Gas angenommen, hat gespotzt und geknallt und ist nie wesentlich über 80 km/h hinausgekommen. Na gut, dachte ich, der Zündmagnet ist wohl hinüber und es fehlt an Feinabstimmung. Zuletzt hatte ich sie auf der Bühne, habe den Magneten getauscht und wurde mit einem recht guten Startverhalten sowie ganz stabilen Leerlauf belohnt. Der erneute Fahrversuch fehlte aber noch, da mir ja zwischenzeitlich eine Triumph Tiger 650 von 1972 zugelaufen ist, die ich für einen Freund wieder zum Laufen bringe und der ich den Platz auf der Bühne freigeräumt habe.
Die Vergaserprobleme der Tiger sind es auch, die mich zur reumütigen Einsicht gebracht haben, dass man sich einfach ALLES anschauen muss, wenn man einem Motorrad nicht traut. Der Concentric der Tiger, insbesondere das Zwei-Kanal-System von Luft- und Spritzufuhr im Leerlauf, hat mich AMAL-Grundlagenforschung betreiben lassen - warum habe ich Idiot das eigentlich bisher nie in letzter Konsequenz betrieben? (Wahrscheinlich, weil meine beiden bisherigen Matchies mit ihren Vergasern problemlos laufen und immer gut einzustellen waren.)
Nachdem ich also am Concentric-Vergaser der Triumph endlich beide LL-Kanäle gesäubert und durchlässig gemacht hatte, sprang das Motorrad auf Anhieb ohne Choke an (erstmalig!) und ließ sich auf einen stabilen Leerlauf bei knapp unter 1.000/min einregulieren. Das erinnerte mich wiederum daran, dass meine G 12 CSR für mich die erste Engländerin war, die den Choke zum Starten brauchte und nur sehr unwillig im Leerlauf "am Leben blieb".
Kurzum, in der Hochstimmung des Schrauberabends habe ich der G 12 CSR kurzentschlossen den AMAL Monobloc heruntergerissen und zerlegt, um - wie bei der Triumph - über verstopfte Leerlaufdüsen u.ä. den Startschwierigkeiten auf den Grund zu gehen. Und wie bei der Triumph habe ich mich erstmalig bewusst mit Nadelgrößen (Pilot Jet, Needle Jet, Main Jet) befasst. Okay, Pilot Jet Größe 30 - sollte passen. Needle Jet Größe 106, geht ebenfalls i.O. Main Jet... Main Jet... ? Main Jet??!!! Bis ich feststellte, dass in dem komischen Düsenstock des Monobloc, der nach unten hin noch mit so einer Art "aufgeschraubtem Eimer" verschlossen ist, überhaupt keine Hauptdüse drin war... Und ich merke das erst, nachdem das Motorrad schon seit fast einem dreiviertel Jahr bei mir steht...
Ich weiß, es ist peinlich und beschämend. Aber, siehe oben: Ich hatte bisher einfach keine Veranlassung gesehen, da mal hineinzuschauen, und war, wegen diverser Magnet- und Undichtigkeitsprobleme, immer nur kurze Stücke auf der Straße "probegerollt". Bis die (markenfremde) Gastlady auf der Hebebühne mich mit der Nase auf das Vergaserthema gestoßen hat. Die Moral von der Geschichte? Schau überall hinein, nimm alles auseinander, glaube keiner Beteuerung vom Kaliber "Alles ist restauriert/komplett überholt". Das bewahrt einen auch vor eigener Betriebsblindheit/-blödheit.
Im Neill (Schrauber-Bibel für AMC-Eigner) habe ich dann gleich mal die gängigen Größen für die Hauptdüse eruiert und bin für die G 12 CSR bei 450 gelandet!! Das erscheint mir sehr groß, andererseits bestätigen es alle anderen Quellen auch (z.B. Roy Bacons Restoration Guide). Hat jemand von Euch hierzu Erkenntnisse? Es handelt sich beim Vergaser um einen 389er Monobloc, der auf dem zylinderkopfseitigen Flansch die Stempelung "389/83" trägt. Danke für alle weitergehenden Informationen!
Ich habe nun bei http://www.amalcarb.co.uk einen kompletten Monobloc-Repair kit und diverse andere Kleinartikel (u.a. noch zwei Hauptdüsen, je einmal eine 400er und eine 420er) bestellt. Mal sehen, wann´s weitergehen kann... Und was dabei herauskommt...
Danke vorab, und viele Grüße - Jan
Ergänzung:
Was ich zwischenzeitlich noch (heraus-)gefunden habe, ist das Datum 9-63 auf der Unterseite des Zylinderkopf-Flansches. Ganz offensichtlich bezeichnet diese Prägung das Produktionsdatum September 1963, und ebenso offensichtlich, dass der Vergaser ursprünglich nicht zu diesem Motorrad gehört hat (denn das stammt ja aus dem Jahr 1961). Die beigefügte Liste habe ich durch Googlen gefunden, danach gehört ein Vergasertyp 389/83 zu einer 350er BSA Einzylinder (!!). Macht aber wohl nix - Hauptsache, ich habe einen 1-1/8" Lufttrichter und bedüse korrekt. (In diesem Fall: 450er Hauptdüse, da ich ja "offen"/ohne Luftfilter fahre.)