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Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Sonntag 22. November 2009, 12:41
von haraldT120V
Schönen Sonntag!
Nachdem die Flügelmutter von der Bremsstange bei meiner T120V am Ende des Einstellweges ist, habe ich mir neue Bremsschuhe W3925/26 gekauft. Hab also gestern lustig alles aufgemacht und die alten ausgebaut. Komischer Weise hatten die alten noch genug Belag (fast soviel wie die neuen) drauf. Hab trotzdem die neuen mal eingebaut und leider festgestellt dass der lange Weg des Hebels bis zum Berühren der Schuhe an die Trommel geblieben ist. Logisch eigentlich, wenn die Belagstärke fast identisch ist.
Für mein Verständnis kann das nur sein: Zu wenig Belag? Vorbesitzer hat vielleicht zuviel Material von der Trommel abgedreht? Oder Nocke treibt die Schuhe zuwenig weit auseinander?
Was kann ich tun? Was mach ich falsch?
Gibt es die Schuhe mit dickerem Belag?
Kennt das jemand?
Bitte um Eure sachkundigen Hinweise, danke!
Lg
Harald
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Sonntag 22. November 2009, 12:55
von Martin
Hallo Harald.
Zwischen die Bremsbacken und den Nocken müssten auch noch dickere Bleche gehören. Also... der Nocken betätigt die Backen nicht mit direktem Kontakt (hoffe das war verständlich).
Dann sieh mal ob der Bremshebel auch in einer Position steht, die der Bremsstange genügend Weg bietet. Den Hebel kannman entweder immer um 90° versetzen, es gibt aber auch welche, die sind feiner zu versetzen, da sie eine Verzahnung haben und keinen Vierkant.
Dickere Beläge gehen natürlich auch. Ab welchem Punkt das eher schlecht ist kann ich von hier nicht sagen. Dazu müsstest Du die originalen einfach neu mit dickerem Material bekleben lassen. Wenn Du hier die Suche bemühst, wirst Du auch Adressen dafür finden.
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Sonntag 22. November 2009, 13:12
von Wuselwahnwitz
Moin!
Bist Du denn damit gefahren, oder baust Du (noch) auf??
Ist das Moped original oder ein Umbau??
Kann es sein dass der Bremshebel (an der Bremsankerplatte) verkehrt herum sitzt? Ich glaube die Bremshebel der konischen Naben haben eine Langlochpassung, was also vier Bremsheblestellungen ermöglicht: Hebel nach oben weisend, entweder in Richtung Front oder in Richtung Heck weisend (das sind die ersten beiden Möglichkeiten), oder eben Hebl nach unten weisend und wieder Ausrichtung nach vorne bzw. nach hinten.
Meines Wissens sollte der Bremshebel nach oben/hinten weisen. Beim betätigen der Bremse wird also erst einmal der "Leergang" überbrückt, bis die Bremsschuhe in der Nabe eingreifen. Bei voller Bremsbetätigung sollte der Bremshebel nicht über die senkrechte Position, also nicht in Richtung Front weisen.
Wenn das alles nicht klappt, die Mechanik der Hi-Rad-Bremse in der Bremsankerplatte aber i.O. ist, dann ist es durchaus möglich das die Trommel ausgedreht worden ist.
Dann gibt es zwei Möglichkeiten:
Entweder die Auflage der Bremsschuhe "unterfüttern" (kann man machen, wenn man im hinterletzten Timbuktu ist und keine andere Wahl hat), allerdings ist dabei zu beachten, dass die nun etwas höher stehenden Bremsbacken nicht mehr den zur Trommel passenden Radius haben. Also muss der Bremsbelag in den passenden Radius geschliffen werden. Ist 'ne doofe Arbeit, mit viel Augenmass und ausprobieren. Aber machbar.
oder: Bremsbeläge runter, ab zum nächsten Autoteilelhändler. Diese netten Herren haben zigtausende Bremsbeläge in verschiedenen Durchmessern und Stärken sowie verschiedener Härten zum aufnieten, meist noch mit dem passenden Werkzeug dazu. (Bohrer, Senker, und die Nieten).
Dies ist sicherlich die elegantere Form, denn in diesem Fall können sich keine zusätzlich in die Bremsmechanik eingebauten "Unterfütterungselemente" verselbstständigen und u.U. Schaden anrichten.
Vielleicht solltest Du mal den Trommeldurchmesser ausmessen und zwecks Vergleichs hier angeben. Irgendwer kann da bestimmt Vergleichswerte auftischen.
Viel Spaß noch
Wusel
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Sonntag 22. November 2009, 13:53
von Jürgen Hackbarth
jau harald, das kenn ich auch. habe 2 konische naben . eine am moped, eine neu im keller.
(kann aber im moment nicht messen, weil mein keller mal grad ca. 3000km entfernt ist.) hol ich aber gern nach. aber auch ohne wissenschaft: trotz korrektem zwischenbauen der bleche und allem kram sind mir neue backen immer zu duenn. und beide trommeln sind nicht (nach)gedreht. ich nehme nur gebrauchte backen, bringe sie zum ordentlichen baecker, waehle eine nette mischung aus, lasse 3 millimeter mehr d´raufbacken und schon bremse ich hinten lieber als vorn.
alle fachleute moegen kreischen, mir gefaellst so, die Bremse ist toll. punkt
gruss juergen
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Sonntag 22. November 2009, 16:23
von haraldT120V
hhmm,
also dem workshop manual nach, gehören die Bleche doch ans andere Ende der Schuhe.
Also nicht an die Nocke sondern ans runde Teil. Anders rum gehen die Dinger gar nicht rein, weil Blechteile zu groß für Ausnehmung der Nocke. Ist auch so dargestellt in den Büchern.
Habt Ihr das andersrum?
Hebelstellung gibt es meiner Meinung nach nur 2, entweder unten oder oben. Bei Vorne oder Hinten drückt die Nocke ja schon. Ist ja ein Langloch für den Hebel. Oder bin ich da falsch?
Bin schon 2 Saisonen mit Schraube auf Anschlag gefahren, bremste recht passabel. Aber zum Nachspannen blieb halt nichts mehr. Drum die Neuanschaffung! Vielleicht sind die Teile ja wirklich zu dünn beklebt, wie jürgen schreibt. Wäre aber schon komisch sowas!
Grübel, grübel..
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Montag 23. November 2009, 09:53
von jan
Nur mal zwei Grundsätzlichkeiten, ohne dass ich die konkreten Umstände im Innenleben der „conical hub“ kenne.
1.) Harald, das ist natürlich richtig: Die Bremsbacken werden an der dem Nocken gegenüberliegenden Auflage unterfüttert. Dadurch liegen sie dort im Ruhezustand so nahe wie möglich an der Trommel an und werden beim Bremsen durch den Nocken dann idealerweise so gespreizt, dass sie auf vollem Umfang an der Bremstrommel aufliegen („tragen“). Hoffentlich.
2.) Wie Wusel war auch ich lange Zeit ein begeisterter Verfechter des Aufnietens von Bremsbelägen und habe dies an einer schier unüberschaubaren Reihe von Studenten-Käfern, -Kadetts u.ä. auch „in extenso“ betrieben. Das war aber in den frühen 1980er Jahren und ist mittlerweile nicht mehr zeitgemäß. (Und Bremsbeläge zum Aufnieten gibt´s auch nicht mehr zu kaufen. Und wenn doch: Obacht!)
Ich würde folgende Vorgehensweise vorschlagen:
- Prüfung des Zustands der Bremstrommel, insb. auf eingelaufene Anlagefläche der Bremsbeläge
- Vermessung des Innendurchmessers der Bremstrommel; Standard-/Soll-Maß?
- Vermessung des Außendurchmessers der Bremsbeläge in montiertem Zustand, also auf der Bremsankerplatte; Standard-/Soll-Maß?
- Wenn sich Trommel und Beläge noch im Rahmen der Standard-/Soll-Maße bewegen, sollte eine Neujustierung - bspw. mittels Versetzen des Bremshebels, Unterfüttern der Bremsbeläge wie oben beschrieben - möglich sein
- Sollten die Verschleißgrenzen erreicht oder überschritten sein, geht es weiter wie folgt:
- Verbringung des kompletten Gerümpels zum nächsten kompetenten Bremsendienst
- Der dreht die eingelaufene Bremstrommel so weit aus, dass wieder eine bündige Auflagefläche zur Verfügung steht (vorausgesetzt, die Trommel hat noch genügend „Fleisch“)
- Anschließend klebt (ich betone: klebt!) der Bremsendienst neue Bremsbeläge auf, ggf. im erforderlichen Übermaß bzw. in der erforderlichen „Überdicke“
Wünsche wie immer gutes Gelingen! Cheers, Jan
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Montag 23. November 2009, 10:11
von Mateo
Hi,
also auf die Gefahr hin, dass ich irgendwas total falsch verstanden habe und mich jetzt blamiere ist es doch so, dass die "Bremsstange" vom Fusshebel zum Bremshebel an der Bremsankerplatte geht.
Anders als bei einem Bowdenzug ist die Strecke ja damit fix. Also muss man auch die Stellung des Hinterrads mit einbeziehen, also je weiter vorn das Rad in den Langlöchern der Schwinge für`s Kettenspannen, desto weiter muss man die Rändelschraube auf die Stange drehen. Daher muss man nach dem Kettenspannen ja auch immer die Flügelmutter wieder anpassen.
Ein weiterer Aspekt ist die Hebelstellung selbst. Je steiler nach oben der Hebel steht, desto weiter muss die Flügelmutter reingeschraubt werden. Stellt man den Hebel nach unten, muss man mit der Flügelmutter nach hinten. Um also mehr "Weg" auf der Stange zu generieren, muss der Hebel runter bzw. das Rad nach hinten, dann passts wieder.
Meine Bremsbeläge haben übrigens auch diese "Schuhe" auf den Hebelflächen, die sind da fest drauf.
Hoffe ich hab alles richtig verstanden, meine "komische" Bremse bremst ganz wunderbar die letzten 40TKM.......
Grüsse,
Mateo
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Montag 23. November 2009, 16:07
von Jürgen Hackbarth
@jan
kleben ist gut,aber dennoch müssen sie in den ofen! sie müssen in den ofen... auch wenn der bremsendienst den besten kleber der welt hat und das gegenteil behauptet. bei uns im werk wurden schon versuche mit einer art kaltvulkanisation gemacht, die eigentlich der reparatur von
förderbändern dient. die bestehen nämlich längst auch nicht mehr aus gummi. dort klappt das ganz gut. aber wenn ich so ein paar alte backen von ferodo oder anderen herstellern aus dem regal nehme, da gelingt es mitunter, den geklebten belag bis zu einem 5tel mit `nem dichtungschaber zu lüpfen. darum; kleben und backen = fest

.
gruss jürgen
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Montag 23. November 2009, 16:23
von jan
Jürgen Hackbarth hat geschrieben:kleben ist gut,aber dennoch müssen sie in den ofen! sie müssen in den ofen...
Absolut richtig! Entschuldige, dass ich das unterschlagen habe, ich hielt es für eine Selbstverständlichkeit im Zuge des Klebeverfahrens.
Und meinen Lieblingslink in diesem Zusammenhang poste ich nicht noch mal, sonst wird es allmählich peinlich...
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Montag 23. November 2009, 17:52
von haraldT120V
abend,
vielen dank für Eure zahlreichen Tips und Infos.
Mir ist im Buch noch was untergekommen. "The leading and trailing shoes are not interchangeable, ensure that they are in their correct relative positions"
Vielleicht waren die alten und sind jetzt auch die neuen falsch rum eingespannt. Die Beläge sind ja auch in unterschiedlicher Position aufgeklebt, und greifen vielleicht später wenn falsch rum. Hmm?? Ich hab eigentlich nur darauf geachtet das die Bleche nicht an der Nocke sind.
Werde mich am WE (wenn hoffentlich wieder gesund) wieder meinem hinterrad und bremsbacken, hebeln und dergleichen widmen. Berichte dann wieder über die Ergebnisse.
lG
Harald
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Montag 23. November 2009, 20:23
von Martin
jan hat geschrieben:Jürgen Hackbarth hat geschrieben:kleben ist gut,aber dennoch müssen sie in den ofen! sie müssen in den ofen...
Absolut richtig! Entschuldige, dass ich das unterschlagen habe, ich hielt es für eine Selbstverständlichkeit im Zuge des Klebeverfahrens.
Und meinen Lieblingslink in diesem Zusammenhang poste ich nicht noch mal, sonst wird es allmählich peinlich...
Und ich dachte man macht das mit zweiseitigem Klebeband

Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Dienstag 24. November 2009, 08:43
von Towner
Hi,
ich habe das gleiche Modell und entsprechend das gleiche Problem. Nachdem ich kürzlich eine neue Kette draufgemacht hatte war es extrem. Aber ich kann die Flügelschraube immer noch soweit drehen, dass man ordentlich bremsen kann. Ich muss sie aber auch fast bis zum Anschlag reindrehen.
Gruß Ralf
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Dienstag 24. November 2009, 09:31
von Jürgen Hackbarth
hei martin, entspann dich!
ein wirklich grosser und nur bremsendienst hier in berlin, der klebt nur noch. mit einem belagleber aus meinem sortiment, den ich nicht verrate, sonst macht das noch jemand nach.
was von einigen hier so süffisant als selbstverständlich angesehen wird ist keineswegs mehr flächendeckend üblich draussen im lande. weiss du was so `ne werkstatt der umtausch einer wandernden backe kostet im verhältnis zum ofen? ...................nüscht.
so long!
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Dienstag 24. November 2009, 09:52
von Martin
Jürgen Hackbarth hat geschrieben:hei martin, entspann dich!
ein wirklich grosser und nur bremsendienst hier in berlin, der klebt nur noch. mit einem belagleber aus meinem sortiment, den ich nicht verrate, sonst macht das noch jemand nach.
was von einigen hier so süffisant als selbstverständlich angesehen wird ist keineswegs mehr flächendeckend üblich draussen im lande. weiss du was so `ne werkstatt der umtausch einer wandernden backe kostet im verhältnis zum ofen? ...................nüscht.
so long!
Hallo Jürgen!
Ich bin ganz entspannt

Sollte auch nicht böse aufgefasst werden
Also.... ich sehe das genau so wie Du. Die erlernte und erprobte Handwerkskunst ist leider nicht mehr Standard...
Gruß, Martin
Re: Kon(m)ische Nabe, Bremse hinten
Verfasst: Dienstag 24. November 2009, 11:50
von Mateo
Hey Harald,
wenn du wieder fit bist, schau doch einfach mal, wo dein Rad steht. Wenn es ganz vorne im Langloch in der Schwinge steckt, bastelst du ein zusätzliches Kettenglied in die Kette, und du hast wieder ausreichend Weg auf der Bremsstange.........
Gruss, M.