Kompressionsverlust nach Winter

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Towner
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Kompressionsverlust nach Winter

Beitrag von Towner »

Hallo,

gestern wollte ich meine 72er T120RV nach dem Winter zum ersten Mal starten. Aber es war kaum noch Druck auf dem Kickstarter. Es reichte noch nicht mal um die Kupplung frei zu machen. Krümmer abgebaut - Auslassventil sah geschlossen aus. Kompression gemessen - 6bar kalt bei Vollgas. Ventile kontrolliert - Auslass waren sehr weit, obwohl ich sie kürzlich erst eingestellt hatte (http://www.cbbc.de/forum/viewtopic.php?t=1431). Ventile neu eingestellt - alles zusammengebaut und versucht zu starten. Nach 5-6 Tritten sprang sie an und nahm auch gut Gas an. Bin dann ein paar mal die Straße auf und ab gefahren und hab dann nochmal Kompression gemessen - 12bar. Heute morgen nochmal Kompression gemessen - kalt 9bar. Ventile nochmal kontrolliert - wieder ein paar hundertstel zu eng. Wieder korrigiert und ca. 30km gefahren. Läuft super auch mit den neuen Luftfilter (http://www.cbbc.de/forum/viewtopic.php?t=1454).
Ich erkläre mir den Kompressionsverlust nur damit, dass während des Winters das Öl komplett aus Bohrungen gelaufen ist. Was meint Ihr ?

Gruß Ralf
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bosn
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Beitrag von bosn »

Also,vielleicht solltest du nicht zuoft Kompi messen,macht nervös?
Ventile kalt einstellen,nochmal kontrolle dann gut.
wenn ´se läuft o.k.

Manchmal kann ein Motor beim längeren abstellen etwas gammel an den V-sitzen ansetzen-das würde das erste Messergebnis erklären.
nach kurzem Lauf soll der Sitz wohl wieder dichten
Bos´n

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Volker Koch
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Beitrag von Volker Koch »

Moin,
auf die Gefahr hin, mich mal wieder als Großkotz zu outen, mein Kommentar ist reines Mitgefühl.
Im Regelfall sind das, was Du da beschreibst, klebende Kolbenringe.
- Ja ja ... tah tah ... ich höre Euch Reichsbedenkenträger schon wieder rumsingen ... und alles noch viel besser wissen ... macht doch alle, was Ihr wollt! -
Es bleibt trotzdem bei klebenden Kolbenringen. Du solltest Dir nicht zu viele Gedanken drüber machen, denk´immer dran:
"Think simple ... it´s British!"
Diesen Spruch mußte ich mir früher regelmäßig von ein paar englischen Kumpels anhören, wenn ich mal wieder wegen irgendwas die Flöhe husten hören habe und da ist wirklich was dran.
Denk nicht zu kompliziert! Wenn die Kompression weg ist und Du unbedingt an der Karre rumbasteln mußt, um Deine Nerven zu beruhigen, dann kannst Du die Kerzen rausdrehen, etwas Carramba, Ballistol oder WD40 in die Kerzenlöcher pusten, ein paar Mal durchtreten, die Kerzen wieder reindrehen und wirst zu 95-99% wieder Kompression haben ... alternativ kannst Du Dir den Zirkus auch schenken, den Kerzengewinden ein längeres Leben gönnen und einfach ein paar Mal mehr durchtreten, bis sich überall wieder Öldruck aufgebaut hat und das Druch-"schuckeln" der Kolben die Ringe wieder gelockert hat. Schätze mal, Dein Motor ist noch nicht all zu viel seit der letzten Überholung gelaufen, richtig? Sowas tritt oft in der - so man sie sich noch gönnt?! - Einphase auf, wenn man nur zurückhaltend Gas gibt und alles noch Mindestpassung hat. Alternativ wird sowas natürlich auch durch zuviel untertouriges Rumgegurke in der Stadt forciert ... also? Immer schön friedlich warm fahren(wer war das da hinten in der letzten Reihe? Wer hat da grade behauptet, das würde der Richtige sagen? Hä?) und dann raus aus dem unteren Drehzahlbereich ...
Denk dran, das sind Sportmotoren und keine Trecker,
Yours
Volker
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Jürgen Hackbarth
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Beitrag von Jürgen Hackbarth »

meine güte ralf,
was hab ich mich früher verrückt gemacht, wenn diese und ä. phänomene auftraten :gruebel:
heute, sollte ich mal länger als 2 wochen nicht fahren, ist das alles geschichte. das mopped dankt dir solche "herzrutscher" einfach nicht.
klebt die kupplung, tret ich halt etwas länger ohne zündung. oeldruckschalter hab ich schon ewig nicht mehr, kommt das zeug am rücklauf an, ist es gut. stimmt beim einmotten die grundeinstellung, bleibt das auch so. mir wollte und will die lady auch immer wieder mal was anderes erzählen. einen ernsthaften schaden hatte ich mit meiner haltung noch nie. und ich fahre das ganze jahr. vielleicht gerade deshalb?!..............
gruss jürgen
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bosn
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Beitrag von bosn »

Hört sich doch gut,Volker!
und recht haste:ab und zu die Ziege an´ne Hörner packen! :wink:
Bos´n

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Towner
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Beitrag von Towner »

Hallo Leute,

danke für eure Antworten ! Die Maschine ist meines Wissens noch nie überholt worden. Der Voreigentümer hat bei Dieter Wolf aus Kürten mal den Kopf machen lassen. Da sind selbstgedrehte Führungen reingekommen. Sie hat laut Tacho ca. 16000 Milen drauf. Das läßt sich anhand der amerikanischen Verkaufsurkunde und den TÜV-Berichten nachvollziehen. In Deutschland hat die Maschine praktisch nur gestanden (ca. 3000 Milen). Sie ist 92 von Lohrig und Kölle importiert worden und erst 96 zugelassen worden. Ich bin letztes Jahr ca. 2000 Milen damit gefahren. Der Motorzustand paßt auch zu dieser Laufleistung. Er qualmt nicht und verbraucht ca. 500-750cc Öl auf 1000km. Er springt gut an und läuft super, zieht gut durch, etc. . Die Kompression paßt ja auch dazu (s.o.). Solange das so ist, werde ich da auch nicht dran rumschrauben.
Ich denke auch, dass der Kompressionsverlust mit den Kolben zusammenhängt. Das mit den klebenden Ringen hört sich gut an. Ich wunder mich nur, dass das Ventilspiel sich so verändert hat.

Gruß Ralf
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Psycho-Ed
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Beitrag von Psycho-Ed »

Was Volker schrub, stimmt........
Wenn die Dinger länger gestanden haben, verbappen die eingekrusteten Ringe. Einfach anreissen......ordentlich am Gas drehen......nach ca. ein bis drei Minuten haben die Schrumpfkopf-Kolben dann wieder ihr Nicht-Klocker-"Mass" erreicht....und die Ringe juggeln sich dann auch schnell wieder zurecht.

Wenn der Motor noch NIE auseinander war, würde ich mir keine Gedanken um die Kompression machen......SONDERN UM DIE "SLUDGE TRAP". Die können nämlich schon nach 10-12Tmls DICHT sein. Und DIE MACHEN DANN WIRKLICH WAT KAPUTT !!!!

Prost
Ich liege erschossen auf der Strasse nach Tilsit.........
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Simon
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Beitrag von Simon »

Da mir ja noch keiner eine Antwort auf meine Frage im Threat vorher geben wollte (konnte ? kann ich mir nicht vorstellen...) mal hier noch eine Frage dazu: Was ist die "SLUDGE TRAP" ? Mein Motor war nämlich meines Wissen auch noch nicht auseinander (seit nunmehr fast 20.000 Miles). Und bevor ich dazu gezwungen werde...
Grüße an alle.... Simon
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Towner
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Beitrag von Towner »

Hi Ed,

der Motor ist damals bei Dieter Wolf komplett zerlegt worden, auch die Kurbelwelle ist raus gewesen. Laut Rechnung sind aber nur die Ventilführungen und ein Getrieberitzel erneuert worden. Leider kann ich den nicht mehr erreichen. Er hat aber einen guten Ruf, habe auch mit Michael Deckers schon darüber gesprochen. Bei einer Komplettzerlegung ist eigentlich die Schlammhülse Standard. Und vom ständigen Zerlegen wird der Motor auch nicht besser. Ich habe direkt einen Feinfilter eingebaut. Es natürlich ein Restrisiko vorhanden. Mal schauen - vielleicht nächsten Winter - oder übernächsten.

Gruß Ralf
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Psycho-Ed
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Beitrag von Psycho-Ed »

Simon: Die Sludge-Trap ist eine Blechhülse, die in der Kurbelwelle sitzt......
Der deutsche Ausdruck dafür ist "Zentrifugal-Filter".
Die durch die Kurbelwellen-Rotation auftretenden Fliehkräfte sorgen dafür, das sich im Öl befindliche Schwebstoffe an den Wänden der Hülse ablagern....und nicht ständig als "Schmirgel-Stoffe" durch den Motor gepumpt werden. Sozusagen eine "Vorform" der modernen Ölfilterpatronen.
Wenn ein alter Motor noch nie auseinander genommen (und die "Schlamm-Falle" gereinigt) wurde, besteht das Risiko, das sich dieses
Röhrchen dichtsetzt.....= Folge: KEINE Ölversorgung der Pleuellager. Wenn man dann noch (aus Unwissenheit/ Mangel an Erfahrung) das Zwitschern und Pfeiffen ignoriert, "guckt" auf einmal ein Pleuel aus dem Motor....sehr "ärgerlich". :shock: :shock:

Ralf: :?: :?: :?: Hä....wie....was...????
Der Motor wurde KOMPLETT zerlegt....und nur das Schnitzel und die Führungen erneuert. Uuups. Das kann aber nicht sein......Sag ich einfach mal so....
Da hoffen wir doch einfach mal, das der Junge diese "Positionen" (sludge-trap / Hauptlager etc.) lediglich "auf der Rechnung vergessen" hat.
Normalerweise erneuert man einen "noch nie geöffneten Kurbeltrieb" grundsätzlich. Und sei`s nur "präventiv".
Niemand weiss genau, wie viel Kilos eine 40 oder 45 Jahre alte Umphette
"runter hat".......ausser vielleicht eine Handvoll gesetzterer Herren, die sich das Ding vor 40 Jahren neu gekauft haben. Bei den meisten Moppeds handelt es sich ja eh um US-Importe der letzten 25 Jahre.......
Wenn man GENAU weiss, wieviel der Kurbeltrieb "auf der Uhr hat", kann man ein "Top-half" ja gerne unter Ignorierung des Bottom-ends erneuern......Kolben...Linder-Kopf..blabla.....
Faustregel: Wenn man genau weiss, wann das Bottom-end (der gesamte Motor "neu"..) gemacht wurde.......kann man (bei NOMALER Fahrweise) nach ca. 30,35- oder meinetwegen auch 40 TKM das Top-half einmal komplett unter Beibehaltung des "alten" Bottoms machen.......
Selbst bei "nitrierter" Welle und "erneuerten" Hauptlagern sollte der Motor beim zweiten Male komplett zerlegt und durch-gelagert werden.
Sooooo teuer sind die RHP-mains ja nun auch nicht....
:wink: :wink: :wink:
Und die Hubzapfen müssen selbst nach 60 oder 70TKM oftmals nicht einmal geschliffen werden.......
Jetzt könnte man mit dem Thema "Material-Ermüdung" der Pleuelstangen
fortfahren......MAP....Carrillo...bla...bla...
Aber das ist eine andere Geschichte......und die soll ein anderes Mal erzählt werden.

Jetzt is sowieso zu spät. Die "Saison" hat begonnen.......

Prost

ED
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Beitrag von Towner »

Hi Ed,

ich meine auch, dass die Schlammhülse Pflicht ist bei einer Komplettzerlegung. Der Vorbesitzer war da nicht so bewandert - eher so'n Sammlertyp. Hat den Motor einfach mal durchchecken lassen. Wäre angeblich sonst soweit alles ok gewesen. Auf dem Tätigkeitsbericht steht nur "Kurbelwelle eingesetzt und Gehäuse verschraubt - 1 Std.". Das war 1998. Seit dem ist der Motor ca. 5000km gelaufen. Der Kopf und Fussmuttern mussten dringend nachgezogen werden. Das Sumpfsieb war verhältnismäßig sauber. Ich denke mal, dass der neue Feinfilter nun erstmal das schlimmste verhindert.

Gruß Ralf
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Beitrag von Psycho-Ed »

Vielleicht hat der Junge ja wirklich nur "die Kurbelwelle eingebaut" und die Gehäusehälften zusammen-geschrotet.....und die Welle wurde von "einer dritten Partei" vorher gewuchtet und gereinigt....who knows..??
Gegen bereits vorhandene Ablagerungen in der Trap kann der Feinfilter aber auch nix mehr ausrichten.....
Ach was.....gib einfach Gas...und lass Dich überraschen.
Ich habe bisher erst drei Motoren mit Pleuel-Abriss "live" gesehen.....
und ich habe schon sehr viele Motoren "gesehen"....believe me...:wink: :wink:
Bei allen drei handelte es sich um "Billig"-US-Importe aus "Holy-House" (is aber auch alles schon "bummelig gute 20 Jahre her"..)
...UND : Bei allen drei Umphetten war das Bottom-end vorher noch nie auseinander....."untouched" sozusagen. Schade um die Top-Substanz...
Is also letztendlich "alles im Promille-Bereich" :D :D :D
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Beitrag von Martin »

Simon hat geschrieben:Da mir ja noch keiner eine Antwort auf meine Frage im Threat vorher geben wollte (konnte ? kann ich mir nicht vorstellen...) mal hier noch eine Frage dazu: Was ist die "SLUDGE TRAP" ? Mein Motor war nämlich meines Wissen auch noch nicht auseinander (seit nunmehr fast 20.000 Miles). Und bevor ich dazu gezwungen werde...
Grüße an alle.... Simon
Hallo Simon!
Also Du meinst den trööt mit den Bremsscheiben... Hmh... weiß ich eben nicht sicher und bevor ich irgendeinen Quark erzähle, lieber gar nichts...
Die Frage stellt sich aber schon, ob nicht eine neue Bremsscheibe dann Sinn macht? Sind ja soo teuer ja nicht... (oder mittlerweile doch?)

Aber zum Slude trap.. Benutze mal die Suchfunktion und gib ein "Schlammhülse" und "Sludge Trap" Da kommt so einiges.
Gruß, Martin
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Beitrag von Towner »

Ich bin jetzt 3000km mit dem Feinfilter gefahren und es muss ja auch nicht gleich das Pleuel abreissen. Den Lagerschaden bemerkt man schon vorher. Wenn die Kurbelwelle nochmal rauskommt, dann wird auch alles gemacht. Lohrig und Kölle haben haben auch einen guten Ruf. Da war ich 1982 mal auf nem Engländertreffen. In dem Jahr gab es ein Artikel in der Motorradzeitung:
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Jürgen Hackbarth
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Beitrag von Jürgen Hackbarth »

@ ed
ich hatte schon mal das grosse glück, dass ein pleuel mich durch den zylinder angegrinst hat. und das ohne auge :shock: . das war bei 80mph und die reflexe mit dem kupplungshebel haben mich wohl gerettet.
wahrscheinlichste ursache: die obere pleuebuchse war gewandert und die schmierung war weg.
gruss jürgen
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