In Österreich werden die 95 dB(A) Standgeräusch an der gesperrten Strecke (Hahntennjoch) nicht gemessen, sondern den Papieren entnommen.
Das Blöde ist halt, dass das eigentlich nur ein Referenzwert ist, der nach erfolgter Zulassung des Fahrzeugtyps nach der EU Norm 50 cm Abstand mit 45° zum Auspuffendstück mit i.d.R. halber Nenndrehzahl (wenn Nenndrehzahl mindestens 5000 1/min, wenn niedriger, mit 75%) gemessen wird (Nahfeldmessung), damit TÜV, Polizei und andere interessierte Gruppen unter einfachen Bedingungen prüfen können, ob der Auspuff manipuliert ist. Eine normgerechte Ermittlung des Fahrgeräusches wäre halt nicht so einfach bei einer Kontrolle zu machen.
Es gibt keine Grenze für das Standgeräusch, das ist als "Hilfswert" gedacht!
Bei alten Motorrädern gibt es verschiedene alte Angaben, die nur bedingt umzurechnen sind (Phon, DIN Phon, später dann zwar nach nationaler Norm in dB(A), aber mit anderen Abständen und Drehzahlen als nach EU Norm).
Für die Nationale Norm gibt es einen Umrechnungswert von +21 dB(A) nach Messbedingungen der EU Norm, wobei allerdings mit 75% Nenndrehzahl gemessen wird. (Der Wert beruht auf Umrechnung der anderen Messabstände)
Was mir allerdings auffällt ist, dass einige meiner nicht so ganz neuen Motorräder nach EU Norm sogar unter 90 dB(A) liegen:
Suzuki DR 350 Bj. 95 hat 86 dB(A)
MZ ETZ 250 Gespann Bj. 85 hat 88 dB(A)
Suzuki 650 V-Strom Bj. 2012 hat 86 dB(A)
Norton Commando 850 Bj. 75 hat 93 dB(A)
Royal Enfield Bullet Bj. 05 hat 94 dB(A)
Ich denke, wir können uns bei den Kollegen, die Klappenauspüffe und den daraus entstehenden Lärm lieben, und der Industrie, die ganz viel Hirnschmalz in die Umgehung der gesetzlichen Messmethoden steckt, bedanken.
Dass auf der anderen Seite die Tiroler Landesregierung, und als Nachahmer die DUH, die technischen Hintergründe und zweifelhafte Aussagekraft des Standgeräusch ignorieren, macht es natürlich auch nicht besser, die hohen Zahlenwerte wirken halt skandalös, wenn man die unterschiedlichen Messmethoden ignoriert
Andreas