In der Bodenseegegend gibt es einen sehr schnellen Norton Mann auf einem Federbett mit scharfem 750er Motor und Schafleitnergetriebe. Mit dem Getriebe hatte er mal Probleme, an einer Autobahnsteigung ist ihm unter Vollast der sechste Gang rausgesprungen, wieder reingetreten und wieder ans Gas, Gang wieder raus, Motor geplatzt! Die Schwungscheibe hatte es zerrissen, ein großes Teil hinten zum Gehäuse raus und ins Getriebe rein. An dem Motorrad waren auch Chronometrics, wenn man auf Null in einem Schritt runterfährt, bleiben die ja dann auf dem letzten Wert stehen. Der Drehzahlmesser war dann bei 9500 U/min stehen geblieben!Norton Motors hat geschrieben:Klaus,
Theoretische Überlegungen in allen Ehren, aber über zigtausende von km hab ich noch nie ne Lichtmaschine verraucht. Auch wenns der teutsche Wissenschaftler mit seinem Rechenschieber sicher nicht gerne hört, aber bei englischen Motorradherstellern ist praktisch erprobt worden. Also reichen ganz offensichtlich die angegebenen 0,2 bis 0,25mm Luft.
Vielleicht solltest Du Dich mal mit Bob Rowley unterhalten, und ihn einige Schwänke aus seinem Testfahrerleben mit Commandos- und später Wankels- erzählen lassen. Sehr informativ, z.B. auch der Tip, wie man ein AMC-Getriebe in maximal 50m(!) Fahrstrecke in Schrott verwandeln kann- jedes. An jedem damit ausgerüsteten Motorrad. Ihn mal bei vereister Straße am Morgen mit einer "Commander"-Wankeltourer gewollt querstehend von der Landstraße ins Werkstor einbiegen zu sehen gehört zu den Höhepunkten meiner Erinnerungen ans Norton-Werk in Shenstone.
Was die hochgelobten einteiligen Wellen angeht, so ist man davon in "Grab the Flag"-Kreisen- die bekanntlich keine Gleichgültigkeitsveranstaltungen, wie beim Veteranen-Fälscher-Verband, sondern nach dem Motto "Wer Erster im Ziel ist", fahren- ziemlich schnell nach mehreren KW-Brüchen dieser tollen Teile wieder abgekommen. Die Norton-Originalwelle hat bekanntlich als Kurbelwangen Schmiedeteile, während die hochgelobten einteiligen Wellen von Herrn Nahrhaft vom Drehstahl überraschte, unstrukturierte Stahlrohlinge sind, in denen der Strangverlauf rein zufällig, und vom Drehstahl des englischen Meisters rüde unterbrochen ist. Drum machts da gern mal "kracks!".
Mein "Fastbäck" Fraaaanzi fährt seit Jahren Grab the Flag mit der Originalwelle in seiner 750er Commando, ist der schnellste Commandofahrer, den ich bisher auf der Rennstrecke gesehen habe, dreht im Eifer des Gefechts auch mal bis 8.500U (Kröber-Drehzahlmesser). Er hat bis heute keinen KW-Schaden gehabt.
Übrigens- zum "teutschen Wissenschaftler mit Rechenschieber" noch ne Annekdote: Ich sollte mir im Jahr 1990 im Auftrag von Philippe LeRoux, des damaligen Norton-Chefs, mal die "Wankel RD" in Lindau ansehen, da Norton mit diesem Rest der alten Mitarbeiter vom seeligen Felix einen Entwicklungs- und Kooperationsauftrag abschliessen wollte.
Ich fuhr also auf Norton Commander Wankeltourer hin, sah mir die Spielwiese verwirrter Wissenschaftler, die von BMFT ernährt wurden, an, und endete schließlich im Büro des großen Oberwissenschaftlers. Der fragte mich, mit was ich da wäre, und rechnete mir dann auf seinem Rechenschieber (tatsächlich! Vor-Computer-Ära!)vor, daß ein Wankel mit 588ccm Kammervolumen maximal 65 PS haben kann. Ich sagte: "Ein Glück, daß die Briten so unwissend sind! Das Motorrad da draussen hatte letzte Woche beim TÜV 85Ps, und die Werksrennmaschine dürfte bei 110-120PS liegen!"
Ich habe LeRoux dann von der Zusammenarbeit abgeraten. Meine Hochachtung vor deutschen Ingenieuren und Wissenschaftlern hat sich von dieser Erfahrung nur mühsam berappelt. Frei nach dem Motto meiner eigenen Wissenschaft "Ich glaube nur die Statistiken, die ich selber gefälscht habe". Oder den Erfahrungen, die ich selber gemacht habe.
Wo bitte haben diese Kurbelwellen dann ein Problem?!?
Immerhin sind sie ja so gut, daß man sie auch in BSA und Triumph Gehäuse rein baut.
Aus welcher Zeit stammt denn die Grundidee dieser Welle? Dann schaue man sich mal alle anderen Kurbelwellenkontruktionen aus dieser Zeit bis ca 1970 an. War da eine Welle unterm Strich besser (war da überhaupt irgendein Motorrad unterm Strich besser)? Stichwörter: BoxerBMW und Tonnenlager, Zündapp und geteilte Pleuel, BSA und rechtes Hauptlager, Yamaha XS 650 und zu kleine Hauptlager, AJS und Streichholzschachtel mit Mittellager und Wellenbruch, alle Italiener mit Nadellagerpleueln und dichten Ölkanälen........ Die Liste könnte man noch lange fortsetzen.
Immerhin konnte man mit der geschmiedeten und geschraubten Welle durchaus erfolgreichen Rennmotorräder wie den Domiracer und all die anderen RennDomis inkl Dunstall bis zu den RennCommandos bauen. Die Kurbelwelle war dabei nicht das ungelöste Problem.
@Tim: nicht alles schlechter Reden, als es ist. Und komm mir jetzt nicht mit deinen Harleys!
Vielleicht haben die Norton Wellen einfach nicht gewußt, wie schlecht sie sind und irgendjemand sollte denen das mal sagen. Peter Weigel hat auch immer über diese Kreaturen rumlamentiert.
Gruß. Martin.