Uli hat geschrieben:Aber wenn ich mich recht an meine letzten paar gewechselten Lenkkopflager (Konus, Kegelrollen) erinnere, ist das Gewinde der Einstellmutter ein feines.
Aaaalso: Die Federbetten und frühen Commandos haben eine angestellte Lagerung, die über eine Einstellmutter mit Feingewinde justiert wird. Diese Mutter zieht die untere Brücke über den Gabelschaft in den Rahmen, die Lagerung wird darüber definiert vorgespannt. Die obere Gabelbrücke steckt oben auf dieser Mutter drauf und wird von einer gaaanz oben abschließenden Mutter gegen die Einstellmutter verspannt, d.h. diese drei Bauteile werden gegeneinander gekontert und die Einstellmutter ist sauber fixiert. IMHO eine sehr gute Lösung, auch mit den okinaalen Konuslagern.
Ohne das Prinzip zu ändern, kann man da nun Kegelrollenlager (30205) oder Schrägkuglellager (7205) einbauen, kinematisch ändert sich nix. Die KRL haben einen kleinen Nachteil, weil sie 1.25mm zu "dick" sind, d.h. die Gabelbrücken stehen etwas weiter auseinander. Fährt man die okinaale Gabelverkleidung, sitzt die mit etwas weniger Vorspannung durch die beiden Gummiringe oben zwischen den Brücken. Außerdem sind die Lager relativ offen und damit etwas schmutzanfälliger, aber gegenüber den Konuslagern ist das nicht so dramatisch IMHO. Die KRL sind zerlegbar, d.h. Ein- und Ausbau sind ähnlich unproblematisch wie okinaal. Ich hab KRL in der Atlas, die waren unauffällig und sind jetzt erstmal drin geblieben, obwohl ich noch SKL habe.
Die 7205 SKL haben exakt die Außenabmessungen der Konuslager und es gibt sie gedichtet. Die Lager sind selbsthaltend, d.h. wenn das untere Lager einen festen Sitz (wie es sein sollte) hat, sind die unteren nicht zerstörungsfrei auszubauen. Die Joche, die ich habe, sind allerdings alle etwas untermaßig, das ist keine stramme Passung, deswegen konnte ich die Lager beim Wechsel des Rahmens die Lager "rüberbauen". IMHO sind das die besten Lager für die alte Lagerung, und mit Stückpreisen um die 30€ für Markenware, die jeder Wälzlagerfuzzi besorgen kann, sehe ich da keinen nachvollziehbaren Grund für Rillenkugellager. Der ganz große Vorteil einer angestellten Lagerung (in O-Anordnung, aber X geht hier auch gar nicht) ist die Stützbreite, die Kräfte wirken effektiv in den Schnittpunkten der Wirklinien mit der Drehachse, das bedeutet, dass der Hebelarm der Lenkkopfes gegen Biegung größer ist. Großer Vorteil!
Die Commando hat AFAIK unten das Fest- und oben das Loslager. Der Spacer dient AFAIK nur dazu, das obere Lager mittig im Lossitz zu positionieren, da kommt es auf ein paar Zehntel Toleranz nicht an. Die obere Brücke trägt den Schaft und wird mit einem Grobgewinde über den Spacer und die beiden Innenringe gegen die untere Gabelbrücke geknallt - und das ist ein Grobgewinde. Vorgespannt wird in der Lagerung gar nix, das ist erstmal eine saubere Fest-Los-Lagerung by the book, wenn man mal davon absieht, dass das untere Lager keine axiale Fixierung nach außen hat, aber die braucht es ja im Betrieb auch nicht. Mein Kritikpunkt da ist schlicht, dass die Axialkräfte auf das untere Lager zu groß werden können, aber das ist eine Auslegungs- und keine Prinzipfrage.
Womit ich ein Problem habe, ist das beides zu mixen. RKL anstellen ist heikel, weil deren axiale Tragfähigkeit meilenweit von SKL, KL und KRL weg ist (ich trau euch mal zu, die Abk. zu handeln....

). Wenn man einen Spacer einbauen will, muss der das obere Lager etwas aus seinem angestammten Sitz rausdrücken, dann baut man eine Commando-Lösung. Kann man machen, aber außer 30-40€ sparen sehe ich darin keinen Vorteil.
Wenn man aber die Rillenkugellager einfach über die Einstellmutter anstellt oder auch versucht, die Vorspannung über einen hundsgenauen Spacer (und da reden wir von ein paar µm Toleranz) einzustellen, ist man auf relativ dünnem Eis unterwegs. Die RKL haben axial nur eine begrenzte Kapazität, und mit der Konstruktion klaut man im Gegensatz zu Commando davon dann auch noch was. Und dann kommt das Feingewinde zum Tragen, wie beschrieben.
IMHO am flaschen Ende gespart.
So, Stromgitarrenzeit.
Tim
1946 Indian Chief-1956 Norton Dommie-1970 Norton Commando Roadster-1972 HD FLH1200 Electra Glide-1972 Norton Commando
1968 Lotus Elan+2-1997 Lotus Elise S160-1999 Lotus Elise
Parts falling of these vehicles are of the finest Angloamerican craftsmanship!