Lucas...mal wieder...und die Lösung!

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Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon holsteiner » Samstag 26. August 2017, 18:58

Heute möchte ich Euch von dem Grund erzählen, warum ich mich bisher gescheut habe, mit meiner 1958er Domi88 weite Strecken zu fahren.

Die ersten Probefahrten von 2 Jahren, als ich die Maschine von dem älteren Herrn aus der Nähe von Hildesheim übernommen hatte, verliefen recht positiv, von leichten Unregelmäßigkeiten im Leerlauf mal abgesehen.
Da der Vergaser neu war, war ein Problem auf der Seite auszuschließen.
Also habe ich mir von Helotronik eine elektronische Zündverstärkerbox beschafft, also so ein Ding, welches den Kondensator überflüssig macht und den Kontaktabbrand am Zündkontakt eliminiert.
Sofort lief der Motor im Leerlauf wie gemeißelt.
Das nächste Problem zeigte sich auf einer 70km Tour nach Nordfriesland, ein heißer Tag und auf dem Nachhauseweg lief die Maschine recht ruckelig. Ich hatte dann vermutet, dass es im Vergaser zu Dampfblasen kommt und diesen dann mit neuen Isolierscheiben besser vom Motor entkoppelt.
Die Probefahrt lief ok, aber auf der nächsten längeren Tour blieb ich ca 60km von zuhause nach zunächst leichtem ruckeln immer schlechter, bis der Motor schließlich abstarb und nicht mehr zu starten war.
Tank runter und dann sah ich schon, dass die Vergussmasse der Helotronik ausgetreten war und somit diese Box als defekt zu deklarieren war. Eine Weiterfahrt ohne Helotronik war nicht möglich, da ich keinen Kondensator dabei hatte.
Alsdann meinen Nachbarn bemüht, auf dass er mich samt Motorrad dort abholte.

Zuhause einen Kondensator eingebaut und sofort lief der Motor wieder, allerdings mit den anfangs beschriebenen Unregelmäßigkeiten im Leerlauf.
Freundlicherweise hat Helotronik mir kurzfristig eine neue Box gebaut, so dass ich die Maschine bald wieder normal fahren konnte, bis, ja bis vor ein paar Wochen.

Vor einigen Wochen dann eine Tour (mit Knolle) durchs Wendland, allerdings mit vielen Pausen. Diesmal kamen die Aussetzer erst auf der Rückfahrt und hörten dann, es wurde kühl am Abend, auch wieder auf.

Wieder stand eine etwas längere Tour auf dem Plan, aber diesmal dauerte es nicht mehr 70 oder 60km bis zum einsetzen des bekannten Ruckelns, es ging schon nach 25km los.
Dieses Mal war ich aber darauf vorbereitet und so konnte ich schnell die Helotronik abkoppeln und einen Kondensator dazwischen schalten.
Das ganze ging fix am Straßenrand, so dass ich nach kurzer zeit wieder starten konnte, aber der Fehler war nicht verschwunden.
Zum Glück lief der Motor aber noch, wenn auch mit zunehmenden Aussetzern, so dass ich aber noch nach Hause gekommen bin.
Am nächsten Tag dann erstmal in die Werkstatt, Motor gestartet, und: Alles ok. Die Helotronik hatte es diesmal auch überlebt, was konnte es also noch sein?
Die Zündspule ohmsch durchgemessen, alles ok. Auch äußerlich war diese Lucas 6 Volt Spule aus den 70er Jahren einwandfrei, nicht mal Korrosion am Gehäuse.
Trotzdem habe ich die Spule dann prophylaktisch getauscht, zum Glück hatte ich mir zwischenzeitlich Ersatz beschafft.

Gestern stand dann die erste größere Tour auf dem Zettel, zweimal 140km sollten es sein. Sicherheitshalber den Trailer an die Dose gehängt, so dass mein Lieblingsweibchen mich ggf unterwegs aufsammeln könnte.

Die Maschine lief allerdings wie ein Uhrwerk und hat mich trotz hoher Temperaturen problemlos über den Tag und wieder nach Hause gebracht.

Es war also ganz offensichtlich ein thermisches Problem der alten Zündspule. Abkühlphasen bzw kühle Abendluft genügten, sie wieder zu normaler Arbeit zu überreden.

Noch ein Nebeneffekt: Während die Domi sich vorher immer ungebührliche 7 Liter /100km feinsten Superkraftstoffs genehmigt hatte, waren es gestern nur noch 4,5l/100km. Und irgendwie ist ein Teil der Leistungsschwäche, über den ich berichtet hatte, auch verschwunden.

Was freu ich mich.... :laola:

Achja: Zum nächsten Forentreffen werde ich dann mit der alten Dame anreisen! :love:
Grüße, Detlev

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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon Knolle » Samstag 26. August 2017, 22:47

:gut: :biggthumpup: So mutt dat.
Das freut mich für dich. Noch viel Spaß mit der alten Dame, du weisst, da bin ich etwas neidisch auf dich.
Gruß von Knolle aus dem Wendland in den hohen Norden
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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon Öko » Sonntag 27. August 2017, 05:38

Und ein Multimeter hat man auf der Fahrt nicht bei...Spule warm bzw. heiß geworden...kann man auch gut mit nem Industriefön kitzeln...und dann den Innenwiderstand messen....und zur Masse..
an selbiges hat meine TR6R auch gekränkelt...so bald se wärmer wurde...geprotzt was das Zeug hält...zwei Zündspulen vom Wartburg (aus dem Regal :mrgreen: ) rein...und die Dame läuft nach sieben Jahren wie einst im Mai...dran bleiben wird belohnt.

Schön das die Lady jetzt fein bewegen kannst...
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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon jan » Sonntag 27. August 2017, 11:20

Mensch Detlev - bei so `ner langen Leidensgeschichte hättest Du aber vorher schon mal drauf kommen können, einfach mal prophylaktisch die Zündspule zu tauschen. [-X

Aber schön, wenn es manchmal so einfach ist - und danach die Welt wieder in Ordnung.
Fein, weiterhin viel Spaß mit derf Schönen (jetzt geht´s ja quasi erst richtig los!).

Cheers, Jan
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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon holsteiner » Sonntag 27. August 2017, 17:25

jan hat geschrieben:Mensch Detlev - bei so `ner langen Leidensgeschichte hättest Du aber vorher schon mal drauf kommen können, einfach mal prophylaktisch die Zündspule zu tauschen. [-X


Tja, was soll ich sagen, in den 45 Jahren, die ich jetzt motorisierte Zweiräder fahre, hatte ich noch nie eine defekte Zündspule. Und bedingt durch den sichtbaren Ausfall der Helotronik hatte ich den Fehler ja erstmal dort vermutet. Aber offenbar hat sich wohl die Hochspannung bei Erwärmung der Spule ihren Weg in die Primärwicklung gesucht und von dort aus die Helotronik zerstört. Übrigens ein Fehler, der mit einem Multimeter niemals feststellbar ist.
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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon Öko » Sonntag 27. August 2017, 18:31

Na und ob...wie oben beschrieben.
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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon holsteiner » Sonntag 27. August 2017, 18:51

Wenn es ein Hochspannungsüberschlag ist, und wir reden hier von 15kV plus X, kannst Du ohne diese Spannung nichts messen. Ohmsch ist da nichts feststellbar. Deswegen haben ordentliche Isolationsmessgeräte auch eigene Hochpannungsquellen.
Sowas hier ist dafür geeignet:
http://www.fluke.com/fluke/dede/elektri ... ?pid=78560
Nur wer hat sowas unterwegs dabei... und dann noch die Zeit, das im heißen Zustand zu messen.
Grüße, Detlev

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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon Uli » Montag 28. August 2017, 21:59

Glückwunsch zur Fehlerfindung.
Zündspulen machen oft lustige Sachen - was ähnliches wie bei dir hatten wir erst letztens beim Peugeot 404 meines Sohnes.

Aaaaber:
holsteiner hat geschrieben: Zum nächsten Forentreffen werde ich dann mit der alten Dame anreisen!


:-k Es ist schon fast September und noch niemand hat nach dem nächsten Veranstaltungsort gefragt! :shock:
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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon Öko » Dienstag 29. August 2017, 05:05

Im Zweifel zuerst die drei Heiligkeiten überprüfen...da fällt dann ausbleibende /unregelmäßige kleine Zündfunken schon auf....
Fehler gefunden und behoben... :mrgreen:
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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon Der Keks » Mittwoch 30. August 2017, 19:56

Ich habe/hatte das selbe Problem aber ich bin(nach 2 Tagen) drauf gekommen als die Huddel wieder super lief nachdem ich den Seitendeckl abnahm ( ehr aus Zufall) und die Spule im Wind lag.
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Re: Lucas...mal wieder...und jetzt mit ner TEK Spule

Beitragvon holsteiner » Sonntag 17. September 2017, 14:00

Und wieder neue Erkenntnisse.
Heute mit dem frisch gedichteten Primär ne Proberunde gedreht, alles lief sehr schön, bis auf einmal, ca 15km von zuhause, schlagartig kein Funken mehr da war. Das Amperemeter zeigte beim durchtreten an, dass die Zündspule geladen wird, so dass ich davon ausgehen konnte, dass Zündkontakt und Primärwicklung der Spule ok sind.
Beim Test, Zündkabel der Spule an Masse, war dann auch ein guter Funken zu sehen.
Also konnte der Fehler nur im Distributor= Zündverteiler liegen, den ich allerdings erst vor 2000km erneuert hatte.
Darin konnte ich aber am Straßenrand keinen Fehler entdecken, also habe ich, um nach Hause zu kommen, das Zündkabel nur eines Zylinders direkt mit der Spule verbunden und bin dann einzylindrig nach Hause gehoppelt. Höchstgeschwindigkeit dabei 50 mls, berghoch war runterschalten angesagt, aber immerhin: My Norton brings me home!
Unterwegs dann mal überlegt, ob man den anfälligen Verteiler nicht umgehen könnte, in dem man direkt mit zwei Zündspulen arbeiten könnte, aber das würde den Kontakt bzw die Helotronik etwas überfordern.
Gibt es eine Doppelspule für 6 Volt?
Eingefallen ist mir da nix, aber ich hatte noch eine japanische TEK MP10 Spule mit 2,4Ohm Primärwiderstand, eigentlich ne 12 Volt Spule für Hondas und Kawas , liegen.
Schnell mal eingebaut und: Funkt. Und zwar gar nicht so übel.
Probefahrt: Perfekt, ich behaupte sogar im oberen Drehzahlbereich deutlich besser als mit der Lucas-Distributor-Lösung.

Die Probefahrt verlief äußerst zufriedenstellend. Das bleibt jetzt erstmal so.
Grüße, Detlev

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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon Knolle » Sonntag 17. September 2017, 14:34

:zustimm:
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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon Phil » Sonntag 17. September 2017, 16:08

Hoi Detlev,

ich glaube mich zu erinnern, die alten 2CV liefen auch auf 6 V und hatten AFAIK immer das Doppelzündspulengedöns verbaut.

Kurz gegockelt, et voilà.

Die sollte gehen.

Grüße

Ph.

Tante Edit hat auch noch diese Möglichkeit gefunden.
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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon holsteiner » Sonntag 17. September 2017, 17:51

Super, danke. Weißt Du den Primärwiderstand?
Grüße, Detlev

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Re: Lucas...mal wieder...und die Lösung!

Beitragvon Phil » Sonntag 17. September 2017, 18:50

Neee, Detlev. Den Widerstand pimär weiß ich leider nicht, aber beide verlinkten Spulen sind bei halbwegs seriösen Läden zu kaufen, wo ich mich trauen würde anzurufen. :pfeiffen:
Im typischen I-Bäh-Shop ist das eher seltener der FAll.

Sag' mal an, wenn Du die Widerstände weißt.

Grüße

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